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Kompositionen aus dem Kammermusikspektrum

Am 20.2.2005 wurde das erste Cellokonzert "DUELMEN CONCERTO" von Manfred Herbig in Dülmen/Westf. uraufgeführt.
Michael Kunze dirigierte das Amateurorchester "Quintencircel", der Komponist spielte das Solocello.
Auf dieser Seite finden Sie eine kleine Dokumentation dazu.

     

Fotos und Bericht in der Dülmener Zeitung vom 22.2.05 von Frau Dr. Anke Schwarze, Werne

Südländische Leichtigkeit

Frühjahrskonzert des Quintencircels begeisterte

Dülmen (asz). Eine besondere Vorstellung zeigte der Quintencircel Dülmen bei seinem traditionellen Frühjahrskonzert am Sonntag in der Aula des Schulzentrums. Vor rund 200 Zuhörern spielte das Liebhaberorchester eine Welturaufführung - das Duelmen Concerto für Solo-Cello, Streicher und Flöte von Manfred Herbig. Der Komponist selber übernahm den Solo-Part des Cellos. Die Essener Musikstudentin Anna Klement brachte an der Querflöte eine zusätzliche Klangfarbe in den Quintencircel, der ein reines Streichorchester ist. Die musikalische Leitung hatte Michael Kunze, dessen langjährige Zusammenarbeit mit Manfred Herbig der Auslöser für das Duelmen Concerto war.

Herbig, ehemaliger Pädagogik-Professor der Ruhr-Universität Bochum, hatte sein Stück eigens für den Quintencircel komponiert. Es handelt sich dabei um eine sehr moderne Musik, in der die Zuhörer aber immer wieder Bekanntes finden konnten. Denn Herbig hatte über drei Sätze verschiedene internationale Musikstile verarbeitet. So war das Adagio beeinflusst von seinen Erfahrungen in einer ungarischen Zigeunerkapelle. Das feierliche Andante entfaltete sich über einem 32-taktigem Jazz-Thema, unterlegt mit gleichmäßigen rhythmischen Riffs. Das Allegro wiederum erinnerte an den südamerikanischen Tango. Es begann mit einem prägnanten Riff auf dem Kontrabass, in den das Orchester mit schrill akzentuierten Tönen einfiel. In diesem letzten Satz hatte Manfred Herbig die Hörgewohnheiten der Zuhörer besonders gegen den Strich gebürstet - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn auf dem Höhepunkt des Allegros schrabbte der Solist mit einer Plastikkarte über die Saiten seines Cellos. "Solche Effekte sollten allerdings auch in der modernen Musik nur sparsam eingesetzt werden", sagte Herbig nach dem Konzert.

Die Komposition Herbigs war eingebettet in zwei konventionellere Stücke mit heiterem Charakter - der Serenade in g-moll von Oscar Strauß und dem Divertimento III in F-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Ein Pizzicato-Walzer im letzten Satz verlieh der Strauß-Serenade einen Hauch von südländischer Leichtigkeit. Hierbei konnte das Streichorchester verschiedene Spielvarianten ihrer Instrumente zeigen, bis hin zum Zupfen der Saiten (Pizzicato). Der Komponist Oscar Strauß stammt übrigens nicht aus der gleichnamigen Familie des berühmten Wiener Walzerkönigs, sondern ist ein heute weniger bekannter österreichischer Operettenkomponist (gest. 1954). Das Divertimento von Mozart ist ein Beispiel für die anspruchsvolle höfische Unterhaltungsmusik der Wiener Klassik. "Divertimento" bedeutet im Italienischen "Vergnügen" und so kommt das Stück lebhaft und tänzerisch daher. Mit der anschließenden Zugabe zeigte der Quintencircel die ganze Bandbreite seines Repertoires: Gefühlvoll und mit differenzierter Dynamik interpretierten die Musiker die Air für Streicher und Bass von Johann Sebastian Bach aus der Orchestersuite Nr. 3 D-Dur.

 

Dankbrief vom 23.2.05 an das Orchester

Kammermusikspektrum * Prof. Dr. Manfred Herbig * Schinkelstraße 14 * 45883 Gelsenkirchen

An das

Orchester "Quintencircel"

Dülmen/ Westf.

Zum Konzert am 20. Februar 2005 mit der Uraufführung des Duelmen Concertos

Liebe "Quintencircler",

unser gemeinsames Konzert liegt nun in der Vergangenheit und weitere Projekte lassen uns alle an die Zukunft denken. Ein Höhepunkt jagt den anderen, und wenn man es möchte, kann man sich wie ein Don Juan im Umgang mit den vielen Schönheiten der Musik fühlen oder aber auch den ständigen Terminstress beklagen. Weitgehend liegt es an uns selbst, wie sich die Dinge darstellen.

Und das Konzert vom vergangenen Sonntag war mit Sicherheit ein Höhepunkt von vielen Blickwinkeln aus:

•  für das Orchester und seinen Dirigenten, die eine fantastische Leistung erbrachten als Ergebnis der ehrgeizigen und erfolgreichen Vorbereitung, welche auch scheinbar Unmögliches und Ungeahntes zu Klangerlebnissen machte. •  für das Publikum, das einmal mehr erlebte, dass Konzerte bzw. Arbeitsergebnisse des Quintencircels Gehör und Aufmerksamkeit verdienen.

•  nicht zuletzt für mich, der ich nicht nur als Solist sondern auch als Komponist mit Ihnen und teilweise auch als Leiter der Proben zusammenarbeiten durfte. Dies alles hat mir viel gegeben und ist mit Sicherheit ein Meilenstein für meine weitere musikalische Tätigkeit.

•  auch für meine anwesenden Freunde, die vielfach als "neugierige Experten" gekommen waren und das Ereignis der Uraufführung eines bisher nicht erklungenen Werkes im Besonderen, aber auch das Konzert des Quintencircels erleben wollten. Sie alle waren begeistert, dabei gewesen zu sein.

Mein aufrichtiger Dank gilt natürlich dem Orchester mit seiner Leitungs-Quinte*) und deren Sprecher, den Stimmführern und jedem Mitspieler. Stets schlug mir Herzlichkeit und Freude an der Zusammenarbeit entgegen, dazu großes Interesse und gesunde Neugier in einem positiven Sinne. Das mir am Ende der Aufführung überreichte wunderschöne Blumengebinde sehe ich als Symbol hierfür, und es wird mich und meine Frau, die wie immer in jeder Phase "mitgelitten" hat, noch eine Weile erfreuen. Sie kam ja nicht nur freiwillig zu den gemeinsamen Proben, auch beim Schreiben und Einstudieren war sie mir und damit dem gesamten Projekt eine gewissenhafte und konstruktive Weggefährtin.


Das neue Stück stand neben der Leistung des Orchesters im Focus dieses Konzertes. Viele anerkennende und Respekt äußernde Worte hörte ich von kundiger Seite - unter anderem auch von Herrn und Frau Nagy. Vielleicht wird das Stück ja seinen Weg machen, und man sagt eines Tages: "Münster, Münster - ach ja, das liegt doch bei Dülmen, wo das Duelmen Concerto 2005 uraufgeführt wurde." Trotz vieler investierter Stunden, Tage und vor allem Nächte hat es mir Freude gemacht und neue Horizonte gezeigt. Gerne schreibe ich auch wieder einmal für den Quintencircel, und - es muss nicht unbedingt ein Cellokonzert sein.   Herzliche Grüße und weiterhin eine schöne musikerfüllte Zeit

Ihr / Euer M.H.

*) Entsprechend dem gewählten Orchesternamen wird dieses von einem Fünfergremium geleitet.

Eine weitere erfolgreiche Aufführung fand am 27. Juni 2010 in der Orangerie von Schloss Rheda statt. Unter Peter Gunde spielte das Collegium Musicum der dortigen Volkshochschule mit Josef Jeschina als Konzertmeister (verstorben 2012).


Vorwort in der Partitur - Fassung Januar 2005

Die Anregung für das Duelmen-Concerto ergab sich aus der langjährigen Zusammenarbeit mit Michael Kunze, der unter anderem das Orchester "Quintencircel" in Dülmen/Westf. leitet. Einladungen als "Aushilfe" und Konzertbesuche wie auch viele Gespräche führten zu einer Vertrautheit mit diesem Ensemble, das sich seit einiger Zeit über das übliche Repertoire von Amateurorchestern hinaus neuen Aufgaben stellen möchte. In sommerlicher Urlaubsumgebung im historischen und bekannten Kurort Bad Héviz/Ungarn, unweit der Magyar Czarda, wo ich ebenso fasziniert wie beispielsweise Haydn, Liszt, Brahms und andere (mit denen ich mich gar nicht auf eine Ebene stellen möchte) der Musik der Zigeunerkapelle zuhörte und nach einigen Abenden des Mitspielens gar als ebenbürtiges Mitglied aufgenommen wurde - in diesem Umfeld also entstand die Idee für dieses Konzert. Der erste Satz ist einer mehr oder weniger improvisierten Zigeunerrhapsodie nachempfunden mit der typischen Abfolge des "langsam - schnell - langsam ..." und mit einem Flageolett-Teil des Solisten - einer Spielweise, die durch die ungewohnte Klangfarbe immer wieder überraschend wirkt - man denke an den berühmten Czardas von Vittorio Monti.

Das Idiom der Zigeunermusik spielt in unserer gemeinsamen Arbeit eine ebenso wichtige Rolle wie die nord- und südamerikanischen Genres, die im zweiten und dritten Satz aufgegriffen werden. Die Spieler werden feststellen, dass das Verstehen und die überzeugende Wiedergabe dieser Musikdialekte oder auch -sprachen eine intellektuelle wie künstlerische Herausforderung bedeutet, die fasziniert ist und nahezu süchtig machen kann. Nicht erst die Impressionisten sondern schon die Komponisten im 18. Jahrhundert suchten das Faszinosum des Exotischen und integrierten es in ihre traditionell geprägten Vorstellungen.

Dem zweiten Satz liegt im Wesentlichen ein 32-taktiges Thema zugrunde in der Form A-A-B-A, wie es sich in den so genannten Jazzstandard-Themen schon vor etwa 100 Jahren allmählich herausbildete. Das hier verwendete Thema habe ich als begeisterter Cellist und Kantoreisänger gewissermaßen "unter der Schulbank" während langweiliger Unterrichtsstunden entwickelt. In einer Musikprüfung zum Abitur wurde es dann Mitschülern als unbekannte Improviationsaufgabe vorgelegt. Die Verarbeitung erfolgt mit der Strenge der traditionellen Jazzmusik in der strophenmäßigen Wiederholung der Akkordfolge und idiomatischen wie klanglichen Ausdeutungen, die der Klangkörper - Streichorchester, Flöte, Solocello - zulässt. Im Schlussteil wird das "harmonische Korsett" gewissermaßen fest zusammengeschnürt, so dass in dieser Hinsicht minimale Bewegung resultiert.

Wer sich heute musikalisch mit Südamerika beschäftigt, kommt nicht an Astor Piazzolla vorbei (1922-1991). Auf Anregung der "Komponistenmacherin" Nadja Boulanger schuf er als Stipendiat am Pariser Coservatoire   den Tango nuevo. Der dritte Satz lehnt sich stark an sein Idiom an. Insbesondere der Flöte fallen hier auch Effekte zu, die sich aber wohl einfach realisieren lassen.

 

Zur Ausführung

Im 1. Satz ist der in freiem Metrum notierte Takt 77 mit seinen Teilen A - G auffällig. Die Absicht ist, durch die Streicher eine Art von indifferentem, aber durch die Vorgabe der Harmonietöne strukturiertem   Hintergrund zu geben, auf dem der Dialog von Solo-Cello und Flöte stattfinden kann. Man denke vielleicht an ein hübsches Café, in dem die Zwei sich finden. Technisch gesehen gibt der Dirigent jeweils den Anfang und kontrolliert Lautstärke und Klangphänomen ohne Dirigat. Nach dem Ende des jeweiligen Dialogs wird die Fermate durch ein Auftaktzeichen angezeigt. Die Kontrabässe haben den Fermaten-Ton aufzusuchen und zu halten, die anderen Streicher halten auf einem beliebigen Ton entsprechend der Vorgabe. Wenn "Ruhe" eingetreten ist, wird durch den Herunterschlag der neue Abschnitt eingeleitet.

Das Flageolett-Solo (Takt 78-92) lässt sich vermutlich in den meisten Fällen besser con sordino begleiten. Man sollte dies ausprobieren. Das Orchester klingt dann weniger obertonreich und unterstützt so die Flageolettwirkung. In der Partitur sind die Flageolet-Töne zur besseren Übersicht im System der Flöte "klingend notiert". Die Wiederholung dieses Teils hat sich als sinnvoll erwiesen, wobei Takt 92 im Schluss 1 verdoppelt wird.

Gegenüber der unausweichlichen rhythmischen Strenge in der improvisierten Jazzmusik gibt es im zweiten Satz auch beabsichtigte und erwünschte Temposchwankungen.

Im letzten Satz sind Spieltechniken und "Effekte" verlangt, die nicht der europäischen Tradition entsprechen (Klopfen und mehr). Diese "Vokabeln" müssen ebenso sicher einstudiert und erprobt sein, wie etwa die Schritte der Tonleiter. Nur dann können sie überzeugend und mit der gebotenen Zurückhaltung präsentiert werden. Man wird sicherlich Freude daran haben, hier auch einmal bisher unbekannte Pfade benutzen zu dürfen. - Die ungewöhnlichen Teilungen des 4/4-Taktes in (3+3+2)/8 in den Takten 64ff. lassen sich in der Regel besser als Dreischlag dirigieren.

M.H.

     

Das Konzert hat keine übermäßigen Schwierigkeiten im Orchester. Jedoch werden einige ungewohnte Spieltechniken gefordert, die aber Abwechslung und Spaß mit sich bringen. Dazu gehören kreischende Glissandi, sul ponticello-Spiel, aleatorischer Akkordaufbau und mehr. Die Orchesterbesetzung, nämlich Streicher und Flöte entsprach dem Wunsch der Auftraggeber. Ich denke mir eigentlich die Erweiterung um einen kleinen Bläsersatz etwa von 2Fl, 2Ob, 2Kl, Fg und 2H.

Bei Interesse kann sich ein Orchester oder ein Dirigent jederzeit an mich wenden. Ich spiele gerne den Solopart, überlasse ihn aber ebenso gerne jemand anders.

 

Weitere Werke von Manfred Herbig

"Vier Lieder zum Jahreslauf" nach Gedichten von Agnes Miegel für Mezzosopran und Streichtrio 1986 (Frühling, Mailied, September, Advent). UA 1991.

Barytontrio Nr. 2 A-dur (Baryton, Viola, Violoncello) 1983. UA 1984.

Barytontrio Nr. 1 in A (Baryton, Viola, Violoncello) 1979 "Alfred Lessing in Düsseldorf gewidmet." UA 1980.

Kantate "Jesus in der Wüste" für Tenor, Barytontrio und Cembalo 1984 nach Texten des Alten und Neuen Testaments. UA der Erstfassung 2004.

Zahlreiche Bearbeitungen, Fantasien etc. zu populären Stücken, Schlagern, Jazzthemen, südamerikanischen Melodien für Klaviertrio siehe CDs von trio fatal, Streichquartett ... Auf Anfrage verfügbar.


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